Ein Ziel -- zwei Wege!
Kinder
=

"die lebenden Botschaften, die wir einer Zeit übermitteln, an der wir selber nicht mehr teilhaben werden."
Neil Postman (* 1931), amerik. Medienkritiker
Lebensfeldersetzende vollstationäre Einrichtung Mehrgenerationenhaus
Soziale Bindung / Integration
Eine Einrichtung, welcher Art auch immer, bildet niemals ein Zuhause.
Der Erzieher geht nach acht Stunden wieder heim, hat niemals in solch einer Einrichtung gelebt, kann sich nicht mit ihr als Zuhause identifizieren.
Dadurch kann es im Vorfeld keine persönliche Bindung der Erzieher an die Einrichtung (Arbeitsplatz) geben.
Somit ist auch die Entstehung einer tieferen persönliche Bindung der Erzieher an die Kinder / Jugendlichen / Erwachsenen innerhalb einer Einrichtung / Kinderheim / Heim / Psychiatrie problematisch und mit Komplikationen verbunden.
Da die tiefere persönliche Bindung des Erziehers an die Einrichtung und die Kinder / Jugendlichen / Erwachsenen fehlt und selbst oberflächliche Beziehungen mit fehlender Echtheit belastet sind, ist beispielsweise, insbesondere bei Jugendlichen, die Möglichkeit bei Respektlosigkeit oder fehlendem Anstand adäquat zu reagieren, nicht gegeben.
Das Mehrgenerationenhaus bildet für alle Beteiligten, sowohl für die Familie als auch für die Kinder / Jugendlichen / Erwachsenen das "Zuhause".
Dadurch ergibt sich eine persönliche Bindung der Familie an die Kinder / Jugendlichen / Erwachsenen, aber auch an das Mehrgenerationenhaus selbst.
Damit Förderung einer Bindung der Kinder / Jugendlichen / Erwachsenen an das Mehrgenerationenhaus und damit / darüber auch an die Familie.
Dadurch entsteht ein wesentlich humaneres und engeres Zusammenleben und eine Förderung jeglichen sozialen Umgangs.
Durch die Bildung dieses sozialen Netzwerks, das auf dem Grundgedanken der "Großfamilie" basiert, fördern wir bei Kindern und Jugendlichen die gesellschaftlichen Grundwerte wie beispielsweise Achtung, Anstand, Respekt und Toleranz.
Die durch uns vermittelten gesellschaftlichen Grundwerte verstehen wir als durchweg positiv besetzte Wertschätzung und als die Achtung, die jeder Mensch jedem anderen menschlichen Wesen entgegenbringen sollte.
Bindungswechsel
Ständiges, immer wiederkehrendes Wechseln der Betreuer innerhalb einer Einrichtung / Kinderheim / Heim / Psychiatrie beispielsweise durch Arbeitsplatzwechsel / Weiterentwicklung der beruflichen Laufbahn.
Allein durch diese beruflichen Weiterentwicklungswünsche kann selbst unter hierarchisch gleichgestellten Erziehern eine Konkurrenzsituation entstehen, die die Förderung und Weiterbildung der Kinder / Jugendlichen / Erwachsenen extrem erschwert.
Zudem ist es für das Kind / den Jugendlichen / den Erwachsenen unerheblich, ob nun innerhalb einer Einrichtung die Betreuer wechseln, oder das Kind / der Jugendliche / der Erwachsene die komplette Einrichtung wechselt
.
Innerhalb einer Familie gibt es keine Wechsel von Bezugspersonen.
Die Personen, die sich beispielsweise die Kinder / Jugendlichen / Erwachsenen als besondere Vertrauensperson auswählen, sind auch, und das sichergestellt, in mehreren Jahren immer noch vorhanden, da es innerhalb der Familie keinerlei Wechsel zu geben braucht und gibt.
Außerdem ist das Leben innerhalb der Familie völlig frei von jeglichem Konkurrenzdenken, die Kenntnisse und Erfahrungen jedes Einzelnen ergänzen und addieren sich.
Dies ist insbesondere der sozialen Entwicklung von Kindern förderlich.
Ferner tragen sichere Bindungen zur Entwicklung von Resilienz bei.
Beziehungen
Keinerlei Beziehung der Kinder / Jugendlichen / Erwachsenen an die Betreuer oder Einrichtung.
Selbst innerhalb der Bezugspflege kann das Kind / der Jugendliche / Erwachsene lediglich in "erster Linie" als Mensch wahrgenommen werden, wobei diese Vorgabe durch die Klinik / Einrichtung in Form eines Leitbildes gemacht wird.
Der Erzieher wird die Einrichtung, und damit auch das Kind / den Jugendlichen / Erwachsenen immer auch als Arbeitsplatz sehen.
Da die Einrichtung zudem vom Kind / Jugendlichen / Erwachsenen niemals als "Zuhause" anerkannt, der Erzieher niemals als "(Pflege)-Papa", "(Pflege)-Bruder", "Onkel" oder "Freund" gesehen wird, kann niemals ein Beziehungsnetzwerk, wie das innerhalb einer Familie, entstehen.
Neue Mitbewohner ziehen in eine Familie und nicht in eine Einrichtung ein.
Allein dadurch wird eine vollkommen andere Basis für das entstehende Beziehungsnetzwerk geschaffen, als es in einer Einrichtung möglich ist.
Durch die so schon im Vorfeld entstehende Beziehung zur Familie und zum Mehrgenerationenhaus entsteht ein stärkerer Wille, eventuell vorhandene Probleme aufzuarbeiten.
Zudem ist von Seiten der Familie eine deutlich stärkere Mitwirkung und Mithilfe möglich.
Außerdem bietet die Familie, insbesondere innerhalb einer möglichen Nachbetreuung, beispielsweise während der Bildung einer eigenen Familie / Bezug einer selbst gewählten Wohnung eines jungen Erwachsenen, ein wichtiges soziales Netzwerk.
Professionalität

In vielen Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtungen wird Professionalität in einem Atemzug mit dem vollständigen Verzicht auf soziale Bindungen oder dem Einhalten einem "professionellen Distanz-Nähe-Verhältnis" zwischen dem Erzieher und dem Kind genannt. Selbstverständlich leuchtet es ein, dass die Beziehung zwischen dem Erzieher und dem Kind allein durch den idealerweise vorhandenen Wunsch des Erziehers, das Kind in eine funktionierende (Pflege-)Familie zu vermitteln, negativ belastet sein muss. Man hält also sich selbst und das Kind frei von emotional belastenden Bindungen. Der Grundgedanke scheint hierbei, dass sich das Kind ohne übermäßig große emotionale Störungen auf neue Situationen, wie beispielsweise eine Pflegefamilie oder auch die Rückführung in die Herkunftsfamilie, einstellen kann.
Dieses Verfahren beachtet unserer Auffassung nach aber mindestens drei Punkte in zu geringer Intensität:

1. Kinder sind nicht manipulierbar. Sie suchen sich ihre Kontakte selbst aus. Bindungen werden auch ohne die Intervention durch Erzieher eingegangen.

2. Kinder müssen sowohl den Aufbau von Bindungen als auch das Lösen von Beziehungen erlernen.

3. Die dem Beziehungsaufbau zugrunde liegende Freundschaft, Zuneigung oder Liebe sind psychische bzw. emotionale Empfindungen, deren Wahrnehmung zum Teil unbewusst abläuft. Wir, und insbesondere natürlich Kinder, können diesen Teil eines Beziehungsaufbaus üblicherweise nicht steuern.

Kinder müssen das Gestalten ihrer Beziehungen bereits in Ihrer Kindheit erlernen, müssen sie es doch im Erwachsenenalter bereits beherrschen. Zudem müssen wir uns vor Augen halten, dass einem Kind, welches im Kinderheim lebt, bereits mindestens ein emotional belastender Beziehungsabbruch beziehungsweise eine Beziehungsveränderung (leibliche Eltern, Angehörige oder Geschwister) zugemutet wurde.

Zudem erfährt jedes Kind in seiner Entwicklung verschiedene Stadien der strukturellen Veränderung seiner Umgebung. Diese, Anfangs winzig kleinen, aber dennoch vorhandenen Abweichungen, betreffen häufig auch das soziale Beziehungsgeflecht des Kindes.

Sie steigern sich dem Alter nach und beginnen bereits im Kreißsaal mit dem Abgeben des Säuglings zwecks Untersuchung durch die Hebamme.

Der Umgang mit Professionalität ist unserer Einschätzung nach deutlich mehr und geht sogar über den in Einrichtungen propagierten Ansatz des "professionellen Distanz/Nähe-Verhältnisses" hinaus. Es geht nicht nur um die Leistung und Können oder das einfache Weglassen eines menschlichen Bedürfnisses. Professionalität ist, anders ausgedrückt, das Ziel, anspruchsvollen Werten zu genügen. Denn sich nur dann zu bemühen, wenn es um einen Arbeitsauftrag, um zählbare Ergebnisse oder um eine Beförderung geht, zeugt nicht von Professionalität, sondern schlichtem Erwerbssinn. Professionalität zeigt sich vor allem dort, wo keine Gegenleistungen oder gar eine unangenehme Situation zu erwarten ist.
Damit ist der Begriff "Professionalität" zum Synonym oder zur Umschreibung für Werte geworden, die auf Deutsch kaum noch jemand anzusprechen wagt, nämlich Anstand und Pflichtgefühl, vielleicht sogar Ehrgefühl.
Unserer Auffassung nach sind es aber gerade diese ethischen Werte, die uns, in Verbindung mit Werten wie beispielsweise Respekt; Achtung; Wahrhaftigkeit; Toleranz und Akzeptanz zu gesellschaftsfähigen Individuen werden lassen.
Da der Begriff "Professionalität" aber nur unser eigenes Handeln und nicht die Vermittlung von Werten anspricht,  versuchen wir, uns von eben dieser Begrifflichkeit zu lösen und dem Kind oder Jugendlichen die oben angesprochenen Werte in ihrer ursprünglichen, entschlüsselten Form zu vermitteln.

Professionalität bedeutet somit für uns, die Beziehung zum Kind oder Jugendlichen so zu gestalten, dass beispielsweise die gefürchteten Verlustängste gar nicht aufkommen können, um dem Kind so die Angst vor der Veränderung durch beispielsweise eine neue Pflegefamilie, die Rückführung oder eine, wie auch immer geartete neue Lebenssituation, zu nehmen.
Diesem Ziel versuchen wir gerecht zu werden, indem wir dem Kind vermitteln, dass es, gleich welchen Weg es für sich in der Zukunft wählt, uns nicht zwangsläufig verlieren muss! Nur so können wir dem Anspruch der Professionalität nach, unter anderem, Anstand und Pflichtgefühl, aber auch nach Wahrhaftigkeit und Respekt gegenüber dem Kind gerecht werden.

Denn wie können wir von einem Kind Werte wie beispielsweise Achtung, Respekt, Ehrlichkeit oder weitere ethischen Normen erwarten oder erhoffen, wenn wir es als Erwachsene nicht einmal schaffen, diesem Kind Wahrhaftigkeit und Echtheit entgegenzubringen?

Welche Aufgabe kann denn wichtiger sein, als Kindern eine Zukunft zu bieten?

Diese Tabelle basiert auf unserer über 30-jährigen Erfahrung und wird ständig
hinterfragt, reflektiert, aktualisiert, erweitert und/oder optimiert!

Das Copyright liegt allein beim Verfasser Herrn Jörg Weber!
Jegliches kopieren, auch Auszugsweise, ist ohne schriftliche Genehmigung untersagt.
co. Joerg Weber, Gervershagen 1, 51709 Marienheide