Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Bevölkerungs- und Stadtentwicklung: Ingelheim blickt in die Zukunft

Interview mit Eveline Breyer, Bürgermeisterin von Ingelheim zur Durchführung eines Demografieworkshops „Demografie-Simulation 2050“ im örtlichen Mehrgenerationenhaus

Wenn im rheinland-pfälzischen Ingelheim über die Entwicklung der Stadt in den kommenden Jahren nachgedacht wird, ist dies nicht nur die Stunde der Stadtverwaltung. Um zu analysieren, wie sich die Bevölkerung entwickelt und was das für die 26.000-Einwohner-Stadt bedeutet, sind Politik, Verwaltung und gesellschaftliche Gruppen für die „Demografie-Simulation 2050“ im Mehrgenerationenhaus zusammengekommen. Hier haben sie durchgespielt, wie der demografische Wandel Ingelheim verändern wird und was alle Seiten tun können, um darauf zu reagieren.
Auf der Website zum Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus haben wir bereits über die Veranstaltung berichtet. Eveline Breyer, Bürgermeisterin von Ingelheim, hatte zur Veranstaltung im Mehrgenerationenhaus eingeladen. Wir wollten von ihr erfahren, wie sich der Ort für die Zukunft wappnet und welche Rolle das Mehrgenerationenhaus dabei spielt.

 

Frau Breyer, Sie haben gemeinsam mit anderen Vertreterinnen und Vertretern der Stadtverwaltung, mit Kirchen, Vereinen und mit den Verantwortlichen des Mehrgenerationenhauses analysiert, welche Herausforderungen der demografische Wandel für eine Kommune wie Ingelheim mit sich bringt. Wie lebt man in Ihrer Stadt im Jahr 2050?

Wie die Bevölkerungsstruktur und auch unsere Stadt in 33 Jahren aussehen werden, ist bislang nur sehr vage zu beantworten. Mit der Simulation wollten wir zunächst eine Perspektive für die kommenden Jahre und Jahrzehnte schaffen. Wir haben in spielerischer Art und Weise betrachtet, wie sich unsere Bevölkerung entwickeln wird und wie die Politik, die Wirtschaft und das Vereinsleben darauf reagieren müssen.

 

Wie muss man sich den Ablauf der Veranstaltung vorstellen?

40 Teilnehmende aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen der Stadt, von den Kirchen und Vereinen über die Polizei bis zu Migrantenvertreterinnen und -vertretern wurden für einen Tag zum Ideenaustausch ins Mehrgenerationenhaus eingeladen. Mit Püppchen auf einem großen Spielfeld haben wir die Altersstruktur in 10 bis 20 Jahren abgebildet und uns in Fünfjahresschritten angeschaut, wie sich die Bevölkerungsstruktur und damit auch die Nachfrage von Angeboten in der Stadt verändern wird. Dies half enorm dabei, die Situation zu veranschaulichen und anschließend in Kleingruppen praxisnah zu diskutieren, wo wer ansetzen muss, damit Ingelheim langfristig eine Stadt bleibt, in der Alt und Jung gerne wohnen möchten.

 

Inwiefern werden sich denn die Bedürfnisse der Bevölkerung verändern und worauf zielen die gewonnenen Erkenntnisse ab?

Wer etwa heute 15 Jahre alt ist, dem geht es vielleicht um gute Schulen und Freizeitmöglichkeiten. In 5–10 Jahren fragen die gleichen Menschen schon ganz andere Angebote nach. Die Interessen verändern sich sehr plötzlich. Dann geht es um die Frage nach einer schnellen Anbindung zur nächsten Universität oder zum Arbeitsplatz oder um eine gute Kita in der Umgebung und günstigen Wohnraum für Familien. In Ingelheim wohnen viele ältere Menschen, aber auch viele junge Familien. Daher muss es das Ziel sein, die Stadt für Familien mit Kindern attraktiv zu machen, ohne die wachsende Gruppe der Älteren zu vernachlässigen.

 

Wie gehen Sie vor, um diese Ziele erreichen zu können?

Weil unsere Arbeit in Ingelheim auf breiten Füßen steht, müssen wir dafür innerhalb der Stadt nicht viel Überzeugungsarbeit leisten. Wer hier lebt und wer hier aktiv ist, der bringt sich auch gerne in die Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens ein. Wichtig ist, dass wir unsere Ideen strukturieren. Deshalb haben wir im Zuge der Demografie-Simulation Arbeitsgruppen mit verschiedenen Schwerpunkten gebildet. Hier werden die Aufgaben für die Bereiche Schule, Freizeit, Pflege, Mobilität und Infrastruktur von den Mitwirkenden priorisiert. Die Menschen arbeiten gemeinsam an Programmen, die beim Erreichen der Ziele helfen sollen: ob es darum geht, die Mitgliederzahl in der Freiwilligen Feuerwehr zu erhöhen oder ob Menschen gesucht werden, die in Pflegeeinrichtungen investieren.

 

Welche Rolle spielt denn das Mehrgenerationenhaus bei der Gestaltung des demografischen Wandels?

Das Haus hat die Federführung in diesem Gestaltungsprozess. Es wirkt aber vor allem mit seiner Arbeit in andere Ortsteile hinein und schafft damit Platz für zivilgesellschaftliches Engagement über seinen direkten Umkreis hinaus. Je nach Zeit und Lust können Menschen hier Angebote wahrnehmen, sich aber auch selbst aktiv einbringen und entfalten. Insofern schafft das Mehrgenerationenhaus einen Ort für freiwilliges Engagement jeglicher Art.

Bei unseren Plänen zur Stadtentwicklung laufen im Mehrgenerationenhaus die Fäden zusammen. Es ist nicht nur ein Ort für Freizeitaktivitäten, sondern auch für den Austausch. Hier werden Netze gesponnen und Ideen werden zu Projekten.